Nachwuchs fördern und relevant bleiben: So meistern wissenschaftliche Gesellschaften diese Hürden

11. August 2016

„Relevant bleiben“, „die Nachfolge sichern“ das sind zwei der dringlichsten Fragen, mit denen sich wissenschaftliche Vereine und Gesellschaften herumschlagen müssen. Immer schwieriger scheint es zu werden, junge Menschen für die Vereinsarbeit zu begeistern. Die wichtigsten Vorstandspositionen werden unter den immer gleichen Personen aufgeteilt, die nach wie vor bereit sind, die anfallende Arbeit zu übernehmen. Aber was passiert wenn sich auch diese Personen, die meist die Gesellschaft schon mit aufgebaut haben, in den Ruhestand zurückziehen?

Dabei kann sich die Vereinsarbeit gerade für junge Menschen lohnen. Man hat die Möglichkeit, seine Branche zu stärken und einen bleibenden Eindruck auf dem Profil seines eigenen Berufsbilds hinterlassen – auf nationaler und manchmal sogar auf internationaler Ebene. Gleichzeitig ist die Mitarbeit in ehrenamtlichen Gremien gut für den eigenen Lebenslauf, nicht zuletzt deswegen, weil man so die Gelegenheit hat, sich ein berufliches Netzwerk aufzubauen, das oft weit über Landes- und fachliche Grenzen hinausgeht. Auch Erfahrung bei der Organisation von Tagungen und Kongressen zeugt nicht nur von Engagement, sondern auch von ausgeprägten Management- und Führungsqualitäten, die im Berufsleben einen entscheidenden Vorteil bieten können.

Aber wie kann man die „Generation Y“ von diesen Vorteilen überzeugen? Eine Generation, die bekannt dafür ist, nicht ihr gesamtes Leben der Arbeit opfern zu wollen und deren digitalisierte Kommunikationsgewohnheiten so schwer zu fassen sind. Gleichzeitig sucht diese Generation aber auch nach Sinn und Erfüllung, was eine große Chance für gemeinnützige Vereine sein kann. Diese Methoden können Ihnen dabei helfen, frisches Blut für Ihre Gesellschaft zu gewinnen:


1.    Gönnen Sie sich ein professionelles Gesellschaftssekretariat

Ein Gesellschaftssekretariat, oder Association Management Company (AMC) kann Vereine erheblich entlasten. Das Sekretariat arbeitet zusammen mit dem Vorstand und übernimmt dabei alle administrativen Aufgaben: Mitgliederverwaltung, Website, Finanzen, Sitzungsplanung und Kongressorganisation. Das hält dem Vorstand den Rücken frei, sodass dessen Mitglieder sich ausschließlich um inhaltliche Angelegenheiten zu kümmern brauchen, in denen sie ausreichend Expertise haben und die ihnen auch mehr Spaß machen. Der große Vorteil einer Association Management Company ist, dass das Sekretariat in den Räumlichkeiten der jeweiligen Firma untergebracht ist. So sparen sich Gesellschaften Nebenkosten wie Büromiete, Infrastruktur wie z.B. IT und Lohnnebenkosten der Sekretariatsangestellten. Ein weiterer Vorteil ist, dass Wissen im Sekretariat gebündelt wird und so jederzeit an die Nachfolgegenerationen weitergegeben werden kann.


2.    Sprechen Sie den Nachwuchs direkt an

Wenn Ihre Website noch keinen Abschnitt hat, der sich an den Nachwuchs richtet, wird es höchste Zeit, einen einzurichten. Hier können Sie beispielsweise  Informationen zu Studium und Ausbildung veröffentlichen, auf Änderungen hinweisen oder Jobs ausschreiben. Berücksichtigen Sie in Ihrem Veranstaltungskalender auch Informationsveranstaltungen für Junge und Studenten und denken Sie darüber nach, auf solchen Veranstaltungen Ihre Gesellschaft aktiv zu bewerben. Viele  Universitäten halten Jobmessen ab, auf denen sich Ihre Gesellschaft durch einen Stand präsentieren kann. Sie haben dadurch sogar den entscheidenden Vorteil, dass Sie als „neutrale“ wissenschaftliche Gesellschaft inmitten der gewinnorientierten potenziellen Arbeitgeber herausstechen werden. Haben Sie auch gedruckte Informationsmaterialien bereit, die Sie an Interessierte verteilen können.


3.    Etablieren Sie Fortbildungsveranstaltungen zur Nachwuchsförderung

Überlegen Sie sich, wie Sie mit Ihrer umfangreichen Expertise jungen Leuten den Einstieg in Ihren Fachbereich erleichtern können. Wo müssen Sie ansetzen, um junge Mitglieder zu gewinnen? Manche Gesellschaften halten eigene Fortbildungsveranstaltungen ab, die junge Ärzte in Ausbildung auf die Facharztprüfung vorbereiten oder wissenschaftliche Aktivitäten fördern sollen. Die Kurse finden häufig in ungestörtem und idyllischem Ambiente statt und neben der inhaltlichen Themen und der gegenseitigen Motivation steht vor allem auch die Vernetzung der Jungärzte untereinander im Mittelpunkt. Sind die Teilnehmer noch keine Mitglieder der Gesellschaft, werden sie es im Zuge der Anmeldung oder nach der Veranstaltung, da es vergünstigte Teilnahmegebühren für Mitglieder gibt. Wenn man es sich leisten kann, ist es ein besonderes Incentive, die Teilnehmer auf Kosten der Gesellschaft auf solche Tagungen einzuladen. Da solche Kurse sehr beliebt sind, führt das also quasi zu einer fast lückenlosen Erfassung aller jungen Fachärzte durch die Gesellschaft. Wieder andere Gesellschaften richten sich an Studierende, indem sie diese gratis an ihrem Kongress teilnehmen lassen und dort Informationssessions organisieren. Man sieht also, dass man je nach Zielgruppe ein breites Spektrum an Möglichkeiten zur Verfügung hat.


4.    Schaffen Sie in den Gremien Positionen für Junge

Um Nachwuchs für die Vereinsarbeit zu gewinnen, sollten Sie ihm früh die Chance geben, sich zu engagieren. Schaffen Sie beispielsweise eine Vorstandsposition, die durch Studenten, Personen in Ausbildung oder PhD-Kandidaten besetzt werden kann, die dann aktiv am Vereinsleben und den Sitzungen teilnehmen und sich so mit den dienstälteren Vorstandsmitgliedern vernetzen können. Die Sitzungsteilnahme können Sie ihnen beispielsweise durch die Übernahme der Reisekosten durch den Verein ermöglichen. Geben Sie diesen Personen die Aufgabe, Vereinsagenden an ihre Kolleginnen und Kollegen zu kommunizieren, beispielsweise über eine Mailingliste oder einen Blog, denn Digital Natives wissen am besten wie man Digital Natives anspricht. Nach Ablauf ihrer Amtsperiode sollten die jungen Vorstandsmitglieder weiterhin eingebunden werden, beispielsweise durch das Aufsteigen in höhere Positionen zu einem späteren Zeitpunkt.

Aber Achtung, selbst wenn Sie all diese Schritte beherzigen ist das noch kein Garant für den Erfolg. Das wichtigste ist: Hören Sie zu. Kommen Sie mit Ihrem Nachwuchs ins Gespräch, finden Sie heraus, was die nächste Generation bewegt und was ihr wichtig ist. Wenn sie das Ruder übernehmen soll, soll sie auch die Gelegenheit bekommen, ihre eigenen Ideen umzusetzen. Lassen Sie sich inspirieren und basteln Sie gemeinsam an der Zukunft der Gesellschaft. So bleiben Sie relevant.